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Ich gehe zur Kiteschule

Ob Segeln, Tauchen oder Windsurfen - seit Jahren bin ich begeisterte Wassersportlerin. Ich habe bislang die Kitesurfer mit strahlenden Augen beobachtet, aber mir nie vorstellen können, selbst auf dem Board zu stehen. Der Reiz war schon immer da, Neues auszuprobieren, aber meine Angst zu überwinden habe ich eher ignoriert. Daher habe ich lieber beobachtet als aktiv zu werden. Doch dies hat sich spontan geändert.

15 Uhr, Treffpunkt am Kitestrand in Cuxhaven-Sahlenburg. Ich bereite mich mental auf meine erste Kitestunde vor. Durch einen Zufall ergab sich die Idee einen Schnupperkurs in der KITEREI Cuxhaven bei Sebastian Schlagmann und Kai Voellmecke zu machen. Unsicher und völlig unwissend schlenderte ich zum Treffpunkt. Um ehrlich zu sein, wäre ich am liebsten wieder umgedreht und davon gelaufen. In der Nacht davor träumte ich, dass ich während des Kitekurses wegflog und man mich von Föhr abholen musste. Ich weiß, es ist noch nie jemand mit dem Kite weggeflogen, aber bei meinem Glück würde ich morgen auf der Titelseite der Zeitung landen 😜

Mit einem ordentlichen Händedruck begrüßten mich Sebastian und Kai. Ich hatte das Vergnügen, die Kitestunde mit einer jungen Frau in meinem Alter zu bewältigen. Ich stellte mich kurz und knapp vor und äußerte direkt meine Angst. Zum Glück war ich nicht die einzige, die mit einem gewissen Respekt an die Sache heranging. Natürlich, wie erhofft, beruhigten mich die beiden Trainer. Es folgte ein kurzer Blick in den Ablaufplan und rasch ging es auch schon ans Eingemachte. Sebastian und Kai erklärten uns die allgemeinen Regeln zum Kitestrand Sahlenburg, die auf einer Tafel groß erläutert sind. Diese Anweisungen umfassen:

  • Kiten ist jeweils 3 Stunden vor bis 3 Stunden nach Hochwasser gestattet
  • unbedingt an die Kitesurfzone halten
  • auf keinen Fall die Badezone befahren
  • Surfscheinpflicht einhalten
  • Rücksicht auf die Umgebung nehmen.

Im Vorfeld musste ich meine Größe und mein Gewicht für den Neoprenanzug und den Kite angeben. Um an einem Kitekurs teilzunehmen, sollte man mindestens 40 kg wiegen. Diese Anforderung erfüllte ich leider. Außer ein wenig Fitness, Badezeug, ein Handtuch, etwas zu trinken und gute Laune, musste ich nichts mitbringen. Zum Wetter kann ich sagen, dass es 16°C waren und die Windgeschwindigkeit betrug ca. 23 km/h. Wir haben unter schwierigen Bedingungen gelernt, was natürlich gut ist, da wir auf das härteste vorbereitet werden. Die Wassertemperatur betrug ca. 18°C. Als Ausrüstung bekamen wir einen Neopren Anzug, meiner hübsch in Türkis, eine Weste, ein Trapez und einen Helm. Doch bevor wir uns umzogen, gab es ein bisschen Theorie. Diese beinhalteten Einweisung in den Spot, Sicherheitsunterweisung, Windfenster, Schirmaufbau, Flugschule I und die Selbstrettung. Die Instruktion war knackig verpackt, es wurde nicht um den heißen Brei geredet, aber natürlich verständlich und kompakt erläutert. Für Fragen waren die beiden jederzeit offen. Ich habe mich tatsächlich in sicheren Händen gefühlt, trotz meines großen Respekts. 

Uns wurde erklärt, wie man den Kite auspackt, ihn aufpumpt und richtig hält, ohne dass er wegfliegt. Tatsächlich muss ich gestehen, dass ich nicht mal wusste, dass man einen Kite aufpumpt. Jeder bereitete seinen Kite vor. Als ich ankam waren wir gefühlt die einzigen Menschen am gesamten Strand, nach und nach kamen noch andere Kiter dazu.

Während der Einweisung am Strand sah ich im Hintergrund die ersten Kiter surfen. Da bekam ich wieder den Willen, dies auch lernen zu wollen, aber nicht mal eine Minute später sah ich den ersten auch schon springen und ich wäre am liebsten geflüchtet. Kai zeigte uns, wie man den Kite startete und es ging zügig in die frische Nordsee. Wir mussten ziemlich weit rein laufen bis wir hüfttief im Wasser standen. Die ersten Übungen begonnen. Zum Glück konnte ich der jungen Frau den Vortritt lassen und erstmal nur zuschauen. Neugierig beobachtete ich die anderen Kitesurfer die um mich ihre Runden drehten. Ich merke, dass meine Augen strahlten. Es ist Wahnsinn, dass man eine Geschwindigkeit von bis zu 50 km/h nur durch die Kraft des Windes erreichen kann.

Doch dann kam ich zum Zuge. Ich halte die Kitebar in den Händen und merke, mit wie wenig Kraftaufwand man den Kite von A nach B bekommt. Erklärt wird dies in einem sogenannten Windfenster. Das Windfester ist der Flugbereich, der beim Kiten genutzt wird. Der Fensterrand ist der weiteste Bereich, in dem der Kite in Windrichtung fliegen kann. Am Fensterrand hat der Kite die geringste Kraft. Damit man weiß, auf welcher Position sich der Kite innerhalb des Fensterrandes befindet, ist der Fensterrand wie eine Uhr eingeteilt. Wenn sich der Kite knapp über deinem Kopf befindet, dann ist das 12 Uhr. An deiner rechten Seite knapp über dem Boden ist das 3 Uhr und zu deiner linken Seite knapp über dem Boden ist das 9 Uhr. Bei 3 Uhr und 9 Uhr wird der Kite gestartet und gelandet und von hier aus wird langsam Richtung 12 Uhr gesteuert. 

Nun stehe ich hier, in der Nordsee, und werde von Kai gehalten, damit ich nicht aus dem Wasser hebe und davonfliege.

Und dann hat es plötzlich Klick gemacht. Nach so einer kurzen Zeit kapierte ich wie ein Kite tickt und habe Spaß an der Sache gehabt. Abwechselnd lernten wir den Kite zu starten, ihn in der Luft zu halten und zu lenken, sowie ihn zu landen. Zwischendurch mussten wir wieder ein paar Meter Richtung Land gehen, da man meine Hüfte durch die Flut nicht mehr sehen konnte. Ich schaute mich um und nahm in der Kitesurfzone mittlerweile über 40 Kiter, 6 Windsurfer und einige Schüler wahr. Ich hätte im Leben nicht gedacht, dass so viel am Sahlenburger Strand los sein kann. Vor allem erkannte ich, dass es ein Hotspot junger Leute ist.

Kai hatte alles super im Griff und war zufrieden mit unserer Leistung. Erleichtert und überglücklich komme ich aus dem Wasser. Ein wenig durchgefroren merkte ich, dass ich meiner anfänglichen Angst den Rücken gekehrt habe. Und tatsächlich habe ich mordsmäßige Lust den vollständigen Kurs zu besuchen. Laut Kai brauch man im Durchschnitt 10 Stunden (welche man an einem Wochenende bei gutem Wind schaffen kann) um die ersten Meter zu fahren.

Und definitiv werde ich nicht das letzte Mal am Sahlenburger Strand zu sehen sein. Ich als bekennende Wassersport-Liebhaberin habe ein neues Interesse gefunden, dem ich spätestens nächstes Jahr intensiver nachgehen werde. Mein Fazit: Manchmal muss man sich zu seinem eigenen Glück zwingen.

Bis dahin sage ich tschüss und bis bald!

Liebe Grüße,
Caroline

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