Vom fernen See- zum beliebten Wahrzeichen

Man mag es kaum glauben: Der Leuchtturm Obereversand steht erst seit 2003 an der Dorumer Küste. Vorher war er über 100 Jahre lang Wind und Wellen ausgesetzt – mitten im Wattenmeer, 40 Kilometer entfernt vom heutigen Standort, schlug 1886 seine Geburtsstunde.

Wenn die Natur die Pläne durchkreuzt

Ende des 19. Jahrhunderts schoben sich immer größere Schiffe durch den Wurster Arm der Außenweser Richtung Bremerhaven. Um diese auch im Dunkeln oder bei einer schlechten Wetterlage in den sicheren Hafen zu leiten, baute man 1886/87 die Leuchttürme »Eversand-Oberfeuer« und »Eversand-Unterfeuer«. Obereversand, wie das Eversand-Oberfeuer auch genannt wird, wurde abwechselnd von zwei Leuchfeuerwärtern betrieben. Mitten im Wattenmeer entzündeten und löschten sie das Feuer, verbrachten gesellige Stunden in ihrem Lebensmittelpunkt, der Küche, und arbeiteten im Dienstzimmer.

Doch das Licht der beiden Türme brannte nicht lange: Das Wattenmeer veränderte sich, Sand lagerte sich an anderen Stellen ab und die Stromrinnen bahnten sich neue Wege. 1922 sah man sich schließlich gezwungen, die Fahrrinne nach Bremerhaven in den Fedderwarder Arm der Weser zu verlegen – die beiden Leuchtfeuer hatten somit ihren Dienst getan. Von nun an fungierte Obereversand als eine Zufluchtsstätte für Schiffbrüchige. Dank dieser Funktion war die Instandhaltung des Turms durch die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung sichergestellt und auch die Inneneinrichtung konnte im Original bestehen bleiben. 

Atemberaubender Ausblick

Seit der aufwendigen Versetzung und dem Bau einer 100 Meter langen Seebrücke in den Jahren 2002 und 2003 ist der Leuchtturm für Besucher zugänglich. Heute ist er ein beliebtes Ausflugsziel: Nicht nur, dass er als originalgetreues Seezeichen aus der Zeit des endenden 19. Jahrhunderts nahezu einzigartig ist, er eignet sich auch hervorragend als Fotomotiv und bietet einen unbeschreiblichen Ausblick auf das Weltnaturerbe Wattenmeer. 

Im Inneren des Eversand-Oberfeuers könnt ihr die Ausstellung »Lebens- und Arbeitswelt der Leuchtfeuerwärter im ausgehenden 19. Jahrhundert« besuchen und euch einen Eindruck über den Alltag im Leuchtturm verschaffen.

Die maritime Umgebung lässt so manches Herz höherschlagen und so ist es fast selbstverständlich, dass man in Obereversand auch standesamtlich heiraten kann – wer kann bei so einem Ausblick schon »Nein« sagen?

Öffnungszeiten
Aufgrund der Corona-Pandemie ist die Ausstellung momentan nicht geöffnet. 

Ein Spaziergang durch den Dorumer Kutterhafen und zum Leuchtturm lohnt sich immer, die Seebrücke und die Treppen sind nach wie vor begehbar. Kleiner Tipp: Auf dem Rückweg solltet ihr unbedingt an den Fischbuden Halt machen und euch eines der frisch zubereiteten Fischbrötchen gönnen. Lecker!